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kelly

Schüler

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1

Sonntag, 9. Juni 2013, 13:25

Ich heiße Hans

Ich heiße Hans,



lassen Sie mich erklären, wie ich die Situation bei uns zu Hause geregelt habe.

Nachdem ich letztes Jahr meinen Job bei Siemens aufgeben durfte und mit
einer stattlichen Summe in Frührente geschickt wurde, musste meine Frau
auch noch mal ran. Zusätzlich zu ihrem 400 Euro Job als Putze bei der
Pension gegenüber, arbeitet sie jetzt noch ganztags bei Penny an der
Kasse und im Lager.



Das hat den Vorteil, dass wir uns die Zusatzversicherungen für mich auf
jeden Fall leisten können. Dinge wie Chefarzt, Einzelzimmer, Zahnersatz
und so weiter...



Allerdings musste ich nach ein paar Wochen Frührente feststellen, dass
das Alter meiner Frau nicht sehr gnädig ist. Ich komme so gegen sechs
Uhr abends vom Tennisclub oder seit kurzem auch mal vom Golfplatz heim.
Um diese Zeit ist sie dann auch gerade zuhause. Obwohl sie weiß wie
hungrig ich bin, sagt sie mir dann, sie müsse sich erst mal eine halbe
Stunde ausruhen. Der Weg vom Bahnhof dauert zu Fuß so um die 30 Minuten,
wenn man zügig geht etwa 25 Minuten. Das sollte doch zur Erholung
genügen.



Egal. Ich rege mich ja gar nicht auf. Ich lege mich also inzwischen auf
die Couch und sage ihr sie soll mich wecken, wenn das Abendessen auf dem
Tisch steht. Da ich entweder im Golf- oder im Tennisclub zu Mittag
esse, können wir es uns nicht leisten auch noch am Abend zum Essen zu
gehen.



Außerdem geht nichts über deftige Hausmannskost in den eigenen vier
Wänden, oder? Früher war es nun so, dass sie das Geschirr gleich nach
dem Essen in die Küche brachte und alles aufräumte. Heutzutage dauert
das Ganze ein bisschen länger. Ich erinnere sie immer wieder höflich
dran, dass die Teller nicht von alleine in die Küche und den
Geschirrspüler wandern und manchmal wirkt das sogar und sie schafft
alles weg, bevor sie ins Bett geht.

Ein weiteres Symptom dass sie älter wird ist das ewige Genörgel.



Auf einmal jammert sie rum, dass sie es nicht mehr schafft sich auch
noch um die Zahlungen und die Haushaltskasse zu kümmern. Dabei hat sie
jeden Tag 25 Minuten Mittagspause! Aber Jungs, ich sage nur: In guten
wie in schlechten Zeiten! Also lächle ich und spreche ihr Mut zu. Sie
muss ja nicht alles an einem Tag machen. Dann dauert es halt mal 2 oder 3
Tage, bis die Finanzen wieder in Ordnung sind. Dann passieren auch
keine Fehler.

Ich habe sie auch daran erinnert, dass man ruhig mal ein Mittagessen
ausfallen lassen kann, das würde ihr auch nicht schaden. Ich glaube
kaum, dass man ihre beginnende Fettleibigkeit taktvoller hätte
ansprechen können.



Aber selbst bei den einfachsten Arbeiten lässt sie inzwischen nach. Zum
Beispiel, wenn sie unser Haus putzt. Früher als die Kinder noch da waren
und mithalfen, hat sie das an einem Samstagvormittag locker geschafft,
jetzt dauert es oft bis zur Sportschau.

An den Wochenenden bin ich meistens zu Hause und wenn ich dann von der
Couch aus sehe, wie sie sich abquält sage ich ihr schon mal, dass sie
ein Päuschen vertragen könnte und sich einen Kaffee machen soll und mir
auch gleich einen bringen kann.

Ich weiß, dass viele meiner Freunde beim Tennis und Golf mich für einen Heiligen halten, weil ich meine Frau so unterstütze.



Ich sage nicht, dass es leicht ist! Manche Männer können so etwas
überhaupt nicht und sind richtige Machos. Und keiner weiß besser als
ich, wie frustrierend Frauen im Alter werden können.

Ich kann meinen Leidensgenossen nur zurufen: etwas mehr Takt und weniger Kritik gegenüber ihren Frauen auszuüben.



Ich habe diesen Brief geschrieben, weil ich glaube, dass wir auf dieser
Welt sind um uns gegenseitig zu helfen und ich hoffe damit einigen
anderen die Augen geöffnet zu haben.



Euer Hans







Anm. d. Red:

Hans starb plötzlich und unerwartet. Laut dem Polizeibericht war die
Todesursache ein Golfschläger, der bis zum Griff in seinem After
steckte.

Seine Frau wurde von der weiblichen Jury vom Mordverdacht frei
gesprochen. Ihre Anwältin hatte argumentiert, dass Hans sich
versehentlich auf den Golfschläger gesetzt haben muss.